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Click
Software Control für macOS — entwickelt für blinde und sehbehinderte User
Stand
- In Entwicklung
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Click macht Programme bedienbar, an denen bisherige Hilfsmittel scheitern.
Click ist ein Programm, das auf dem eigenen Mac installiert wird. Es läuft neben den Programmen, mit denen man arbeitet, und bedient sie. Man formuliert in gewöhnlichem Deutsch, was geschehen soll — „mach die Aufnahme leiser", „öffne den Equalizer" —, statt anzugeben, wo geklickt werden muss.
Zweck
Click untersucht, ob sich beliebige Software auf macOS vollständig ohne Blick auf den Bildschirm bedienen lässt.
Das Betriebssystem stellt fertige Bausteine bereit: Knöpfe, Regler, Listen. Ein solcher Baustein meldet einem Vorleseprogramm von sich aus, was er ist und welchen Wert er hat. Professionelle Software zeichnet ihre Oberfläche aber häufig selbst — ein Mischpult mit hundert Reglern, ein Schnittfenster, ein Konstruktionsraster lassen sich mit Standardbausteinen nicht bauen. Was selbst gezeichnet ist, bleibt für das Betriebssystem ein Bild, und jedes Hilfsmittel, das auf dessen Auskunft angewiesen ist, steht dort still.
Die Lücke ist damit kein Versäumnis, sondern eine Folge der Architektur — sie ist dort entstanden, wo Software besonders leistungsfähig wurde. Die Folge ist trotzdem hart: Ausschluss aus Berufen, aus Ausbildungen, aus kreativer Arbeit — nicht weil jemand etwas nicht könnte, sondern weil ein Bedienelement ein Bild ist.
Genau dort setzt die Untersuchung an. Click ist nicht darauf angewiesen, dass ein Programm Auskunft gibt. Es steuert nicht Positionen, sondern Absichten — und eine Absicht kann man auch formulieren, wenn man den Bildschirm nie gesehen hat.
Ziel
Das Ziel ist professionelle Barrierefreiheit für jede existierende Software — nicht für die ohnehin zugänglichen Programme, sondern gerade für die anderen. Grundlegende Barrierefreiheit gibt es seit dreißig Jahren; sie endet dort, wo die eigentliche Arbeit beginnt.
Vier Dinge gehören dazu: ein ganzes Betriebssystem ohne Hinsehen, nicht ausgewählte Programme. Absichtssteuerung überall, gleich in welcher Anwendung. Ein Begleiter, der von sich aus beschreibt, was geschieht — dass ein Dialog aufgetaucht ist, dass ein Vorgang fertig ist. Und eine Barrierefreiheit, die mitwächst: Jedes erschlossene Element bleibt erhalten und kommt allen zugute.
Aufgaben
Die laufende Arbeit prüft drei Annahmen.
- Bedeutung statt Wortlaut Ein Satz in gewöhnlicher Sprache genügt, weil nicht sein Wortlaut zählt, sondern seine Bedeutung. Es gibt keine Liste, in der ein bestimmter Satz einer bestimmten Schaltfläche zugeordnet wäre — deshalb muss niemand eine Befehlssprache lernen. Zu prüfen ist, für welche Handlungen das trägt und wo eine Absicht mehrdeutig bleibt.
- Genaue Werte, nachgeprüft Ein selbst gezeichneter Regler lässt sich nicht nur finden, sondern auf einen genannten Wert einstellen — und danach prüft Click selbst nach, ob der Wert erreicht ist. Ein Fehlklick, den niemand bemerkt, ist gefährlich; wer nicht selbst nachsehen kann, ist darauf angewiesen, dass er gemeldet wird. Diese Sicherheit hat Vorrang vor jeder neuen Funktion.
- Gelerntes bleibt Click erarbeitet sich beim Einrichten, wie eine Anwendung zu steuern ist, und behält es. Es braucht deshalb keine Liste unterstützter Programme und wartet auf keine Anpassung durch den Hersteller. Zu prüfen ist, wie stabil das über Programm-Aktualisierungen hinweg bleibt.
Stand der Erprobung
Der schwierigste Fall ist gelöst. Schwierig ist er, weil drei Dinge zusammenkommen: Das Bedienelement meldet dem Betriebssystem nichts über sich. Es genügt nicht, es zu finden — es muss auf einen bestimmten Wert eingestellt werden. Und wer nicht sieht, kann nicht nachsehen, ob das geklappt hat.
In einem professionellen Musikprogramm bedient Click einen solchen Regler: Man nennt den Wert, Click stellt ihn ein und prüft danach selbst nach. Über achtzig Bedienelemente hat Click in diesem Programm zugänglich gemacht, fast die Hälfte davon unbeschriftete Symbole. Der Schritt darüber hinaus ist gemacht — Click erlernt inzwischen auch die Bedienung anderer Programme auf macOS.
Erprobt haben es bisher seine Entwickler, einer davon blind und im eigenen Fachgebiet. Das ist mehr, als üblich ist: Hilfsmittel werden meist von Menschen gebaut, die sie selbst nicht brauchen. Es ist zugleich ein Ausgangspunkt, der die eigenen blinden Flecken nicht sieht. Andere Menschen, andere Arbeitsweisen, anderes Sehvermögen, andere Programme: Diese Erprobung beginnt jetzt. Für die Zusammenarbeit mit einer Interessenvertretung blinder und sehbehinderter Menschen liegt eine Kooperationszusage vor.
Eine Sache steht ausdrücklich noch aus. Click braucht heute einen Moment, bis es ein Bedienelement gefunden hat. Eine Beschleunigung ist gebaut und gemessen, aber noch nicht freigeschaltet — sie muss erst im Dauerbetrieb sicher laufen.
Der Name der Organisation, sobald deren Freigabe für die Nennung vorliegt — und ob Dachverband oder Landesorganisation genannt wird.
Was mit den Daten geschieht
Wer ein Vorleseprogramm benutzt, gibt diesem Hilfsmittel vollständigen Zugriff — nicht gelegentlich, sondern immer. Bankgeschäfte, Arztbriefe, private Nachrichten. Wer sieht, kann im Zweifel selbst nachschauen; wer nicht sieht, muss sich auf das Werkzeug verlassen können.
Click arbeitet deshalb vollständig auf dem eigenen Rechner. Was man eingibt oder spricht und was auf dem Bildschirm steht, wird an keinen fremden Dienst übertragen. Für gesprochene Eingaben verwendet Click die Spracherkennung, die in macOS eingebaut ist.
Und die Arbeit verwendet die öffentlich dokumentierten Schnittstellen des Betriebssystems — jene Wege, die für Hilfsmittel vorgesehen sind. Es wird nicht in fremde Programme eingegriffen und nichts an ihnen verändert.
Angebot an Softwarehersteller
Click entsteht nicht gegen die Hersteller. Die Grundlage haben andere gelegt: Apple hat mit seinem Vorleseprogramm und der Barrierefreiheits-Schnittstelle eine Infrastruktur geschaffen, ohne die dieses Projekt nicht möglich wäre. Was hinzukommt, beginnt dort, wo die Standardbausteine aufhören.
Was von außen funktioniert, funktioniert von innen leichter. Wer den Quelltext seines eigenen Programms hat, erreicht dieselbe Zugänglichkeit mit deutlich weniger Aufwand — er muss nur wissen, wo anzusetzen ist. Genau das zeigen wir gerne. Die Technik dahinter erscheint unter freier Lizenz — zur Übernahme, zur Anpassung, zum Einbau.
Wer daran arbeitet
Click entsteht im Verein. Die Projektleitung liegt bei Petar Nikolic, der die Forschungsfrage aus eigener Betroffenheit formuliert hat; die Entwicklung hat er von der ersten Stunde an mit Dejan Nikolic betrieben.
Die Frage stammt aus der Arbeit an PapoNox: Dort war gezeigt, dass ein professionelles Musikprogramm ohne Sicht bedienbar ist. Click stellt die nächste Frage — ob dasselbe für beliebige Software gilt.
Für wen es gebaut ist
Für blinde und sehbehinderte Menschen, besonders für jene, die beruflich oder künstlerisch mit grafischer Fachsoftware arbeiten wollen. Für Arbeitgeber und Ausbildungseinrichtungen, die Arbeitsplätze öffnen wollen, an denen solche Software benutzt wird. Für Menschen mit dauerhaften motorischen Einschränkungen, die ohne Maus arbeiten.
Und für alle anderen: Was für blinde Nutzerinnen und Nutzer Grundvoraussetzung ist, ist für sehende ein Gewinn an Verlässlichkeit. Man löst wiederkehrende Abläufe per Sprache aus, trifft einen Wert genau statt ihn grob zu ziehen, und kann weiterarbeiten, wenn die Hände nicht frei sind.
Mehr zum Projekt
- PapoNox Das Vorhaben, aus dem die Frage stammt.
- VoiceOver-Benutzerhandbuch Apple. Das Vorleseprogramm von macOS, auf dem Click aufsetzt.
- Richtlinie über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen Europäische Union, 2019. Rechtlicher Rahmen.
- office@aifim.at Für Erprobung, Zusammenarbeit oder Fragen zur freien Lizenz.