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Forschung & Praxis

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PapoNox

Ein Forschungsprojekt zur barrierefreien Musikproduktion für blinde und sehbehinderte Nutzer

Stand

Professionelle Musikproduktions-Software ist für blinde Menschen mit den heute verfügbaren assistiven Werkzeugen nur oberflächlich bedienbar.

Das Video hat Untertitel; das vollständige Transkript steht darunter.

Transkript des Videos

Der gesprochene Text, mit Zeitangaben zum Wiederfinden im Video. Grundlage ist die automatische Umschrift von YouTube; offensichtliche Hörfehler sind berichtigt.

0:05
[Musik]
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Tja, das bin ich, Petar Nikolic.
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Vor ca. 2 Jahren bin ich erblindet und da habe ich mich gefragt, h was jetzt für Musikproduktion? Braucht man Bildschirm, Software, die man bedienen muss, die man sehen muss?
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[Musik]
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Hier möchten wir Ihnen einige Funktionen von PapoNox zeigen, die schon funktionieren.
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Wie soll das Projekt heißen? In welchem Ordner liegt die Datei?
1:02
Importiere Beat MP3. – Audiodatei „Beat MP3“ importiert.
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Spur 4 Audio 4 Solo aktiviert. Wiedergabe gestartet.
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Das Forschungsprojekt Paponox muss jetzt weiterentwickelt werden. Wir müssen es standardisieren, so dass ein anderer
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Blinder oder Sehbehinderter damit zurechtkommt.
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Was wir gebaut haben, funktioniert. Es ist ein Prototyp entstanden in ehrenamtlicher Arbeit. Was fehlt, ist die Validierung, Tests mit blinden Musikern,
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Genauigkeitsmessungen und ein externes Audit. Dafür brauchen wir die Förderung.

Apples Vorleseprogramm liest die Menüs. Der Mischer, die Oberflächen der Klangwerkzeuge und der Editor bleiben unzugänglich. Für eine einzige produktive Handlung braucht es zwanzig und mehr Tastenkombinationen. Und stufenlose Werte wie Lautstärke oder Panorama sind ohne Blick auf den Bildschirm praktisch nicht einzustellen.

Das betrifft keine kleine Gruppe. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leben weltweit rund dreiundvierzig Millionen blinde Menschen; bis zur Mitte des Jahrhunderts wird ein deutlicher Anstieg erwartet, weil die Bevölkerung älter wird. Professionelle Kreativsoftware lässt diese Gruppe bislang weitgehend unberücksichtigt.

Zweck

PapoNox untersucht, ob eine professionelle Musikproduktions-Software vollständig ohne visuelle Ausgabe bedient werden kann.

Der Ansatz heißt absichtsbasierte Steuerung. Statt einen Bildschirm nachzubauen, den man nicht sieht, spricht oder schreibt man, was man erreichen will. Ein Sprachmodell übersetzt diese Absicht in Programm-Handlungen — vollständig auf dem eigenen Gerät, ohne Verbindung zu einer Cloud.

Das ist ausdrücklich Forschung und kein Nachbau fremder Software. PapoNox verändert keinen fremden Quelltext und reproduziert nichts. Untersucht wird, wie weit sich öffentlich dokumentierte Schnittstellen des Betriebssystems für blinde Anwenderinnen und Anwender erschließen lassen — methodisch vergleichbar mit einem Vorleseprogramm, das tiefer ansetzt.

Ziel

Das Ziel ist eine empirisch geprüfte Antwort auf eine Frage, die bisher niemand systematisch gestellt hat: Lässt sich professionelle Software systematisch zugänglich machen, auch wenn ihre Oberfläche das nicht vorsieht?

Der erste Prototyp beantwortet davon einen Teil. Er zeigt, dass das Prinzip tragfähig ist. Damit beginnt die eigentliche Arbeit: prüfen, welche Funktionsklassen sich verlässlich ansprechen lassen und welche nicht, und wo die belastbaren Grenzen des Ansatzes liegen.

Aufgaben

Die laufende Forschungsarbeit prüft drei Annahmen.

  1. Ein Satz genügt Ein Befehl in gewöhnlicher Sprache reicht aus, wenn das System die Absicht dahinter richtig erfasst. Zu prüfen ist, für welche Handlungen das gilt und wo die Absicht mehrdeutig bleibt.
  2. Absicht wird zu Handlung Ein Sprachmodell auf dem eigenen Gerät kann musikalische Absicht verlässlich in Programm-Handlungen überführen. Zu prüfen ist, wie stabil das über verschiedene Aufgaben und über Programm-Aktualisierungen hinweg bleibt.
  3. Oberflächen werden adressierbar Mehrere Verfahren zusammen — die Barrierefreiheits-Schnittstelle des Betriebssystems, Texterkennung und ein Bildmodell — machen Elemente ansprechbar, die keine offizielle Schnittstelle anbietet. Zu prüfen ist, wie weit diese Kette trägt.

Die Fragen am Horizont

Lässt sich dieser absichtsbasierte Zugang und seine Funktionstiefe auf andere geschlossene Programme übertragen? Für die gesamte Apple-Software? Mit dieser Forschungsfrage der universellen Übertragbarkeit beschäftigt sich unser Projekt „Click — Software Control für macOS“.

Wer daran arbeitet

PapoNox ist ein nicht-kommerzielles Forschungsprojekt aus Wien mit eigener Website. Die Projektleitung liegt bei Petar Nikolic, der die Forschungsfrage aus eigener Betroffenheit heraus formuliert hat. Der Verein begleitet das Vorhaben als Forschung zu assistiven Technologien und zur Frage, wie professionelle Software zugänglich gemacht werden kann.

Rechtlich stützt sich die Arbeit auf den europäischen Barrierefreiheits-Rechtsakt und auf die Ausnahme für Interoperabilität im Urheberrecht.

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